Tauchkurs auf Mauritius

Vor ein paar Monaten haben wir einen Traumurlaub auf Mauritius gemacht – einem echten Tauchparadies. Das, was wir dort unter Wasser an wunderschönen Lebewesen und Farben gesehen haben, war super schön und beeindruckend. Bis dahin war es für mich (gefühlt) jedoch ein GANZ langer Weg! Bei meinem Tauchkurs schwirrten mir Gedanken wie „Sch****, was machst du hier eigentlich?“ und „Nein, HILFE, das kann ich auf gar keinen Fall“ durch den Kopf“. Aber von Anfang an…

WARUM TAUCHEN?

Seit mein Freund und ich zusammen sind, spielt das Thema Reisen und Urlaube in unserer Beziehung eine große Rolle – wir beide lieben es und ich freue mich, dass wir hierin eine große Gemeinsamkeit gefunden haben. Für Philipp zählt zu beidem aber auch das Tauchen. In Australien, in der Karibik und in Ägypten war er zwischendurch immer Mal auf einem Tauchausflug, während ich die Umgebung erkundet oder es mir auf der Liege im Hotel bequem gemacht habe. Von Anfang an bestand für ihn der große Wunsch, dass ich ihn auf den Tauchausflügen begleite und gemeinsam mit ihm abtauche. Für mich kam das bis vor Kurzem überhaupt nicht infrage. Ich bin das komplette Gegenteil einer Wasserratte. Es ist mega unangenehm für mich, den Kopf unter Wasser zu stecken, unmöglich dabei die Nase nicht zu zuhalten und unter Wasser die Augen zu öffnen, ist undenkbar. Wenn meine Grundschul-Schwimmlehrerin hören würde, dass ich an einem Open Water Diver-Kurs teilgenommen habe, würde sie vermutlich lachend vom Stuhl fallen. Vielleicht habt ihr jetzt ein ungefähres Bild davon, welches Gefühl das Wort „Tauchen“ in mir verursacht. Wasser ist einfach nicht mein Element.

Dementsprechend habe ich versucht Philipp die Illusion zu nehmen, dass ich auch einmal tauchen werde. Sein Wunsch war allerdings so groß, dass ich um das Thema leider langfristig nicht herum gekommen bin und es dann kurz vor der Mauritius-Reise doch einmal in Betracht gezogen habe. Ich muss auch zugeben, dass mich die Fotos, die ich von seinen Tauchreisen gesehen habe, inkl. der Tiere, die er unter Wasser beobachtet hat, ziemlich beeindruckt haben. Da wurde ich doch ein wenig neidisch. Also gut, doch mal probieren? Seine Freude darüber, dass ich es vielleicht doch einmal versuchen möchte war so groß, dass ich unter keinen Umständen einen Rückzieher hätte machen können. Da hatte ich dann den Salat.

DER TAUCHKURS | ORGANISATORISCHES

Angekommen auf Mauritius haben wir uns direkt informiert, wo es gute Tauchschulen in der Nähe gibt, ob noch Plätze bei Tauchkursen verfügbar sind, wie viel es kostet und wie viele Tage dafür einzuplanen sind. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob es wirklich das war, was ich wollte, habe mir aber nichts anmerken lassen. Die Enttäuschung wollte ich möglichst vermeiden. Ich habe mich dann für die Variante „3“ (anstatt 4) Tage entschieden mit insgesamt 5 Tauchgängen, davon ein Übungstauchgang. Umso schneller ich es erledigt hatte, desto besser. Ich hatte großes Glück, dass mir die Tauchschule schon zusagte, dass ich tatsächlich alleine ohne andere Teilnehmer einen Kurs starten konnte. So hätte ich die volle Aufmerksamkeit des Lehrers und könnte mein vermutlich eher langsames Tempo durchziehen. Das beruhigte mich schon sehr, da ich einen unheimlichen Respekt vor der ganzen Unternehmung hatte – Die Tiefe an sich flößt mir nach wie vor ein wenig Angst ein. Ich hatte Angst vor Panik-Attacken unter Wasser und große Sorge, was passiert, wenn ich doch einmal zu schnell aufsteige – denn das kann lebensgefährlich sein.

Soweit so gut. Die Anmeldung für den Tauchkurs war schnell erledigt und schon am nächsten Tag starteten wir nach dem Frühstück Richtung Tauchschule.

DER TAUCHKURS | DER ÜBUNGSTAUCHGANG

Los ging es mit ein paar Erklärungen zum Ablauf des Kurses in der Tauchschule, ein paar Unterschriften und der ersten Herausforderung: Das Anziehen des Neopren-Anzugs. Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit meiner Figur. In dem Moment habe ich mich aber unglaublich dick gefühlt. Ich kam ohne fremde Hilfe einfach nicht in den Anzug hinein, es war viel zu eng. Dass sich der Anzug ein wenig lockert sobald ich im Wasser bin, konnte ich einfach nicht glauben – ich fühlte mich wie Wurst in Pelle und als ich den Reißverschluss am Rücken zuzog, hatte ich bereits außerhalb des Wassers Atemnot. Dies trug nicht unbedingt zu meinem Wohlbefinden und einer hilfreichen Gelassenheit vor Beginn des ersten Tauchgangs bei – aber der Wille war (noch) groß. Mich packt ja dann doch der Ehrgeiz und ich wollte es unbedingt schaffen. Wir sind daraufhin zum Steg der Lagune gegangen, in der ich nun die ersten Tauchübungen machen sollte.

Mit den Flossen an, der Taucherbrille auf dem Kopf stand ich da wie bestellt und nicht abgeholt. Mein Tauchlehrer (Franzose) erklärte mir noch fix in gebrochenem Englisch ein paar Dinge – ich war allerdings so in Gedanken, dass ich ihm gar nicht richtig folgen konnte. Auf einmal wirft er das Tauchjacket inkl. Sauerstoff-Flasche ins Wasser. Es gab ein lautes Geräusch, das Jacket drehte sich wild um sich selbst und es sprudelte wie verrückt aus dem Atemregler. Da wurde auch der Tauchlehrer ein wenig hektisch und sprang hinter her, um das Problem zu beseitigen. Mein Vertrauen zur ganzen Angelegenheit hat sich leider in diesem Moment verabschiedet – eine super Ausgangssituation.

Nun sollte ich ihm mit einem Sprung ins Wasser folgen. Das war eine Herausforderung, die noch akzeptabel war. Zunächst legte ich mir im Wasser das Tauchjacket an und versuchte mich mit dem „Atmen aus dem Mundstück“ vertraut zu machen. Das war doch sehr komisch. Ich fühlte mich unwohl und konnte der Technik noch nicht so ganz vertrauen. Ehe ich mich versah, fand ich jedoch schon die Hand des Tauchlehrers an den Knöpfen meines Jackets, mit denen man die Luft aus der Jacke lässt. Er wollte bereits abtauchen. Das ging leider gar nicht für mich. Fremdbestimmt und ohne Vorwarnung runtergehen, versetzte mich in die erste kleine Panikattacke mit Strampeln, Husten… und das leider schon an der Wasseroberfläche.

Das ging ja gut los. Ich versuchte mich zu beruhigen. Philipp winkte mir freudig vom Strand aus zu – er hatte ja keine Ahnung was in mir vorging. Augen zu und durch. Ein paar weitere Atemzüge durch das Gerät und eine kurze Erklärung zu meinen Ängsten  später, sind wir abgetaucht. Am Meeresboden, in geringer Tiefe, haben wir ein paar Übungen, mehr oder weniger erfolgreich, absolviert. Jacket an und ablegen, Atemregler aus dem Mund nehmen und wieder einsetzen, Notaufstieg, Tarierung, Wasser in die Taucherbrille lassen und wieder auspusten usw… Klingt nach Kleinigkeiten – für mich bedeutete es allerdings größte Überwindung.

Wir beendeten den Tauchgang noch einmal mit einer Übung des Notaufstiegs an die Wasseroberfläche und – wie sollte es auch anders sein – hauten promt mit dem Kopf an ein Boot, das in der Lagune geankert hatte. Zum Glück hatte ich die Hand überm Kopf – jetzt wusste ich wenigstens, warum! Spätestens jetzt hatte auch Philipp von Weitem erkannt, dass es für mich kein großer Spaß war und eher einem kleinen Chaos glich. Es war scheinbar einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände. Völlig fertig kletterte ich aus dem Wasser. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt echt nicht sicher, ob ich weiter machen wollte…

DIE ERSTEN RICHTIGEN TAUCHGÄNGE

Doch auch am nächsten Tag fand ich mich wieder in der Tauchschule. Heute weiß ich nicht mehr, was mich dazu motivierte. Wahrscheinlich wollte ich mir selbst beweisen, dass ich auch etwas schaffen kann, von dem ich dachte ich könnte es nie. Es folgten noch 2 Tage à 2 Tauchgängen, bei denen ebenfalls noch ein paar Übungen zu absolvieren waren. Das hatte ich schon dem Lehrbuch entnommen, das ich durchzuarbeiten hatte. Dazu zählte auch das „Verlieren der Taucherbrille“ und das „Öffnen der Augen unter Wasser“. Ihr erinnert euch – das war eigentlich unvorstellbar für mich. Ich hatte es bis zum vorletzten Tauchgang vor mir her geschoben, in der Hoffnung der Tauchlehrer würde es vergessen. Leider war dies nicht der Fall und ich musste nun doch da durch. Unter Wasser blieb natürlich auch keine andere Wahl – reden, geschweige denn diskutieren, war ja nicht möglich. (Jetzt weiß ich auch, warum mein Freund das Tauchen so gerne hat ;D)  Mein Tauchlehrer nahm mir also die Brille ab und simulierte, ich hätte sie verloren, gab sie mir aber zum Glück schnell wieder. aufsetzen, auspusten und FERTIG. Dann hatte ich alles geschafft!!

HAPPY END

Jetzt im Nachhinein kommt es mir doch etwas bescheuert vor, dass ich, vor allem in meinem Kopf, so ein großes Problem davon gemacht habe. Abgesehen von den ersten Übungen liefen die Tauchgänge super und ich konnte auch einige Tierchen sehen, z.B. einen kleinen Nemo, was ich mir so sehr gewünscht habe! Die hübschen und besonderen Fische bleiben einem beim Schnorcheln doch verwährt. Beim letzten Tauchgang des Tauchkurses konnte Philipp dazu stoßen, sodass wir gemeinsam als „Tauch-Buddies“ unter Wasser unterwegs waren. Das war schon sehr cool, muss ich gestehen. Händchen haltend sind wir zusammen über den Korallen entlang getaucht und haben gemeinsam nach schönen Lebewesen gesucht. Kleine Nemos, Kugelfische, Moränen, Zebra- und Papageifische haben wir entdeckt.

Tauchkurs auf Mauritius

Nach ca. 40 Minuten wurde es mir in 10 – 12 Metern Tiefe etwas kalt, sodass wir langsam wieder aufgestiegen sind. Zurück auf dem Boot, war ich so stolz auf mich. Letztendlich doch alle Übungen gemeistert und das Tauchen hat auch super geklappt. Ich hätte Bäume ausreißen können. Auch der Tauchlehrer beglückwünschte mich und hat mir ein liebes Lob ausgesprochen. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht.

Zurück an der Tauchschule erfolgte noch ein kurzer theoretischer Test, für den ich parallel in den letzten Tagen gelernt hatte. Dann war es geschafft.
Ich war glücklich, Philipp um so mehr und die nächste Reise – inkl. Tauchausflug – kann kommen 🙂

Nächstes Ziel: Ich möchte unbedingt einmal mit Schildkröten tauchen!

Fazit: Manchmal muss man die persönliche Comfortzone verlassen und sich selbst zum eigenen Glück zwingen. Ich zehre noch jetzt von dem Erlebnis – von den schönen Eindrücken der Unterwasserwelt, aber noch viel mehr davon, dass ich selbst etwas geschafft habe, das ich für mich persönlich niemals für möglich gehalten hätte. Das schafft Mut und Selbstvertrauen!


TIPPS FÜR DEINEN TAUCHKURS

Last but not least möchte ich euch noch ein paar Tipps mitgeben, falls ihr euch auch für einen Tauchkurs interessiert:

  1. Kauf dir vorab unbedingt eine perfekt sitzende Taucherbrille – nichts ist nerviger, als eine geliehene und nicht passende Brille, in die ständig Wasser hinein läuft!
  2. Wenn möglich, und du schon länger vor hast einen Tauchkurs zu absolvieren, empfehle ich dir schon vor dem Urlaub den Theorie-Teil im Tauchclub in deiner Heimat zu erledigen. Dann hast du die Pflichtlektüre (ca. 400 Seiten) nicht mehr im Urlaub zu lesen und kannst dich voll auf das Tauchen selbst konzentrieren.
  3. Achte bei der Wahl der Tauchschule auf dein Bauchgefühl. Sind die Leute dir sympathisch? Scheint alles seriös? Verstehst du den Tauchlehrer? All das ist nicht zu unterschätzen.
  4. Du weißt noch nicht so recht ob es überhaupt etwas für dich ist? Schnorcheln gehen ist eine gute Vorbereitung und gibt dir schon einmal ein Gefühl. Auch Schnupper-Tauchkurse werden von den meisten Tauchschulen angeboten.
  5. Fahr nicht unvorbereitet zur Tauchschule: Vergiss nicht Sonnencreme, 1-2 Handtücher, einen Snack, ausreichend Wasser und einen warmen Hoodie!

Möchtet Ihr auch einmal tauchen? Oder habt ihr ebenfalls ein Tauchkurs gemacht? Wie sind eure Erfahrungen? Ich bin gespannt, was ihr erzählt!

 

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One thought on “Tauchkurs | Meine persönliche Mutprobe”

  1. Das sind super Tipps, vielen Dank! Mei, bist Du mutig! Ich hatte auch Gelegenheit im letzten Sommer einen Tauchkurs in der Karibik mitzumachen. Habe dann doch einen Tag vor dem Termin alles abgesagt 🙂 Auf alle Fälle es ist gut zu lesen, dass ich nicht die Einzige bin, die dieses Thema an Anfang mit Skepsis betrachtet. Aber vielleicht im nächsten Urlaub hole ich das nach. Die Unterwasserwelt muss wunderschön sein!

    Liebe Grüße,
    Vera.

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